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King David Soundsystem Interview
Hier möchten wir euch einen Sound aus Berlin vorstellen. Wenn man heutzutage ein Soundsystem gründet (wovon es mittlerweile ja auch so einige gibt), schmeissen verschiedene Selectors und DJs ihre Platten in eine Box, schneiden vielleicht noch ein paar Specials, und kaufen sich im besten Fall noch einen Sampler. So einen Sound meine ich aber nicht. Ich rede über wirkliche Soundsystems, die mit ihren eigenen Anlage auflegen. Dazu gehört etwas mehr als nur ein paar Schallplatten. Die Leute fahren teilweise mit einem Transporter oder LKW vor den Club und bauen erstmal, meterhoch Boxen aufeinander! OK. Ihr wisst was ich meine... Check Out King David Soundsystem!
Pullupmp3: Wie alt bist Du?
David: Bin 1977 geboren. Give thanx for life!
Pullupmp3: Wie lange bist Du schon dabei?
David: Das KING DAVID SOUNDSYSTEM trat am 6. Oktober 1995 zum ersten mal in Aktion. Los ging es damals in Tübingen, der ?home town" des KING DAVID SOUNDSYSTEMS. In den 90`er Jahren gab es in Jamaikanischen Dancehalls ein starkes Comeback von Roots Reggae die in den Jahren zuvor von Ragga/Raggamuffin dominiert wurden. Diese neue Welle von Rasta Bewusstsein und Rasta Botschaft hat auch mich in einer Weise erreicht und beeindruckt, die mich veranlasste selber Reggae Platten aufzulegen. Der Sound der damals von Leuten wie Tony Rebel und Garnett Silk, Anthony B und President Brown aus Jamaica kam war tiefer als alles was ich bis dahin kannte. Diese Leute brachten in ihren Songs mehr Weitblick und Verständnis für die elementaren Dinge des Lebens zum Ausdruck als irgend ein anderer Musiker. Während zwei ausgedehnten Jamaika Aufenthalten und zahlreichen Ausflügen nach London habe ich neben dem Plattenkaufen und Dubplates aufnehmen viel über Reggae, die Geschichte und die Community gelernt. Ein Teil meiner Anlage wurde bereits Ende der neunziger in Tübingen gebaut. Zum Teil im Epple Haus zum Teil bei Freunden in deren Kellern. Seit 2004 habe ich die Anlage nun auch in Berlin wieder im Einsatz. In den letzten zwei Jahren wurde einiges daran gebaut und die Anzahl der Boxen hat sich in dieser Zeit verdoppelt.
Pullupmp3: Aus welchen Komponenten besteht Dein Sound?
David: Im Eigenbau sind mittlerweile acht Bassboxen plus vier Mitten und vier Höheneinheiten entstanden. Das Soundsystem hat eine Gesamtleistung von ca. 5000 Watt. Besonders im vergleich zu normalen DJ-sets ist die Verwendung des Mischpults. Mit Hilfe einer aktiven Frequenzweiche wird die Musik in Bässe, Mitten und Höhen aufgeteilt, diese Frequenzbereiche können dann jeweils einzeln mit Echos und Halleffekten bearbeitet werden.
Ich verwende zwei Echogeräte, zwei Frequenzweichen (one pre-mix, one post) und vier Verstärker.
Pullupmp3: Gibt es noch mehr Soundsystems (mit selbstgebauter Anlage) in Berlin/Deutschland?
David: Wer die Anlage im Einzelfall gebaut hat, steht für mich gar nicht so sehr im Vordergrund. Interessant ist für mich, ob der Klang und die Basspower der Anlage mich überzeugen und ob die Anlage tatsächlich für ein Soundsystem steht oder ob sie zu einem Club gehört.
Ich glaube I-revelation (Berlin) spielt eine eigene Anlage. Allerdings habe ich die bisher nur einmal gehört. Ein riesen Vorteil für ein Soundsystem ist es, wenn es die Möglichkeit hat an einem Ort regelmäßig zu spielen, dann erst können Veranstaltungen längerfristig geplant werden. Als Soundman ist man immer auf Verständnis oder zumindest Interesse seitens der Clubbetreiber angewiesen.
Aus Bayern kenne ich zum einen Dan de Lion aus Freisingen und Japhet aus Augsburg. In Hamburg gibt es ebenfalls zwei, drei Crews die eigenes Equipment verwenden. I-Livity Hi-fi war immer eine riesen Inspiration.
Aus Köln kommt Abassi Hi Power, das Soundsystem von Zion Train Frontmann Neil Perch. Er hat sich seine Anlage soweit ich weiss von Jah Tubbys in England bauen lassen.Pullupmp3: Wie speziell/gross ist dein technisches Verständniss (hast du Elektotechnik studiert oder sowas)?
David: Das was ich kann habe ich mir bei anderen Soundsystems abgeschaut. Sounds aus England und Hamburg, die wir in den neunziger Jahren in´s Epple Haus (Tübingen) eingeladen haben.
Pullupmp3: Deine Top 5 Soundsystems, Artists, Lps?
David: Reggae Musik ist wie ein Ozean und jede Schallplatte ist ein Tropfen des Lebenselexiers.
Soundsystems:
Jah Shaka, Jah Tubbys, King Shiloh, Aba Shanti, R.D.K.-Hifi, Channel One, Jah Observer.
Artists:
Iration Steppers, Cultural Warriors, Bunny Wailer, Willie Williams, Johnny Osbourne.
Lp´s:
They´re all good... auf dem Sound spiel ich hauptsächlich Maxis und Singles.
Pullupmp3: Hörst du noch andere Musik als Dub und Reggae?
David: Hip Hop ab und zu und neuerdings Dubstep. Oldies like Rocksteady, R&B & Ska, African & Latin grooves...Pullupmp3: An welche wichtigen Begegnungen erinnerst Du Dich?
David: Sillywalks around `94. Anytime me meet Pensi in Hamburg. Wayne in London. All that happened to me in Jamaica 1999. Travelling yard with Caveman Soundsystem. Max Romeo in Kingston 2001. Errol Bellot & Chanter in Berlin. Camp Tipsy 2004. Afrika Simba & Dub Judah in Tübingen. House of Roots & Tenastelin in Berlin. Dubschool Berlin. Dubsisters meets Mykal Roze ...
Pullupmp3: Was hältst Du von der derzeitigen Soundsystem Culture?
David: Na ja, Reggae lebt und wird in den verschiedenen Ecken der Welt unterschiedlich zelebriert. Die Soundsystem Cultur kommt aus Jamaika dort spielt jede Bar ne dicke Anlage, die Soundsystems dort wie Caveman, Stonelove oder Jaro spielen die größten Anlagen der Welt - open air versteht sich. London ist wohl der nächste Ort an dem die Community den Sound derart kraftvoll zelebriert. Die University of Dub (eine regelmäßige Veranstaltung im Recreation Center Brixton) gehört sicher zu den einzigartigsten Veranstaltungen unserer Reggae Welt. Dort spielen an einem Abend zwei oder drei der größten europäischen Soundsystems zusammen. Deren Anlagen stehen den Jamaikanischen um nichts nach. Solche Basspower ist hierzulande nicht zu finden. Frankreich ist, neben einer riesigen Dancehall Szene mit unzähligen Artists, auch im Dub und Soundsystem Bereich ganz weit vorne. Acts wie Disciples und Aba-Shanti sind dort in vielen Städten regelmäßig zu Gast. In Deutschland hat sich die Soundsystem Cultur in Form einer DJ Cultur entwickelt. Dabei hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Ich denke es ist an der Zeit, dass sich auch hierzulande mehr Roots und Dub Sounds etablieren können, die mit ihren Anlagen im Bass & Subbass Bereich mehr zu bieten haben, als die meisten Clubanlagen.
Pullupmp3: Was hältst Du von Soundclashes?
David: Gehören zur Dancehall Cultur. Fasziniert mich auch nach wie vor noch. Allerdings höre ich die Tapes nicht mehr. Und im dub Bereich sind Soundclashes eigentlich kein Thema.
Pullupmp3: Hast Du noch andere Talente (singen, malen, sport...)?
David: Ich singe in einer Reggae / Dub Band namens Sattatree.
Pullupmp3: Glaubst Du an Selassie als Gott?
David: JAH ! RASTAFARI !
Pullupmp3: Möchtest Du noch was sagen?
David: Ja. Ich möchte mich bei allen Musikern und Produzenten, bei allen Sängern, MC´s und Soundleuten für die Inspiration bedanken. Ich möchte mich ganz besonders bei meinen Freunden bedanken die das King David Soundsystem unterstützen. Ohne Helfer (Tür, Bar, Promotion, Boxmen, Fahrer etc.) gäbe es auch keinen Sound. Big up an die Massive - haltet Augen und Ohren auf - den nächsten KING DAVID Dance solltet ihr nicht verpassen.
Contact: www.myspace.com/kingdavidsoundsystem
ONE LOVE
Ganjamin, 24. September 2006



